Cyberversicherungen: Sind sie sinnvoll oder nicht?

Aufgrund der wachsenden Bedrohung durch immer ausgefeiltere Hackerangriffe und steigende Schadenssummen haben sich Cyberversicherungen in den letzten Jahren zu einem wichtigen Bestandteil des Risikomanagements entwickelt.

In diesem Beitrag zeigen wir, welche Schäden von Cyberversicherungen gedeckt sind, wo Grenzen des Versicherungsschutzes liegen und welche Kriterien in Branchen sowie Unternehmen über die Sinnhaftigkeit entscheiden.

Was ist eine Cyberversicherung?

Eine Cyberversicherung schützt Unternehmen vor finanziellen Schäden, die bei Cyberangriffen und IT-Sicherheitsvorfällen entstehen. Cyberversicherungen decken die finanziellen und rechtlichen Folgen digitaler Risiken wie Datenschutzverletzungen, Hackerangriffe, Ransomware-Erpressungen oder Systemausfälle.

Laut einer Studie verfügten 2011 rund 36 % der Unternehmen über eine Cyberversicherung, 2023 waren es bereits 46 %. Der Anstieg ist auf die wachsende Bedrohungslage und steigende Schadenssummen zurückzuführen.

Ob eine Cyberversicherung in Unternehmen und Einrichtungen sinnvoll ist, entscheiden häufig die Kosten und Besonderheiten der Branche, die Größe und Voraussetzungen der Sicherheit in Unternehmen.

Um sich für den Versicherungsschutz zu qualifizieren, müssen angemessene Voraussetzungen der Cybersicherheit nachgewiesenwerden.

Zudem betonen Versicherer, dass eine Cyberversicherung keine präventive Schutzmaßnahme darstellt. Sie verhindert keine Angriffe, sondern dient ausschließlich der finanziellen und organisatorischen Schadensbegrenzung. Zudem gibt es zu beachtende Grenzen des Versicherungsschutzes.

Warum sind Cyberversicherungen sinnvoll?

Finanzielle Absicherung

Cyberangriffe verursachen zunehmend hohe Kosten. Der durchschnittliche Schaden pro Datenpanne lag 2024 weltweit bei rund 4,88 Millionen US-Dollar. Für Deutschland bezifferte eine Studie von Bitkom den Gesamtschaden durch Cyberangriffe im Jahr 2023 auf 148,2 Milliarden Euro.

Cyberversicherungen übernehmen Kosten für IT-Forensik, Systemwiederherstellung, Rechtsberatung, Kundenbenachrichtigung sowie Umsatzausfälle. Damit können sie existenzbedrohende finanzielle Folgen abfedern und Unternehmen handlungsfähig halten.

Rechtliche Anforderungen und Compliance

In stark regulierten Branchen der kritischen Infrastruktur wie Finanzwesen oder Gesundheitssektor führen Cybervorfälle nicht nur zu direkten Schäden, sondern auch zu rechtlichen Konsequenzen. Datenschutzgesetze wie die DSGVO verpflichten Unternehmen zu Meldepflichten, Informationsmaßnahmen und gegebenenfalls zur Zahlung von Bußgeldern.

Cyberversicherungen unterstützen Unternehmen bei der Bewältigung dieser Anforderungen, etwa durch die Übernahme von Anwaltskosten, Kosten für behördliche Untersuchungen oder Beratung bei der Einhaltung regulatorischer Pflichten.

Vertrauensaufbau bei Kunden

Cyberangriffe beeinträchtigen bei Bekanntwerden das Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern erheblich. Studien zeigen, dass ein Großteil der Kunden einem Unternehmen nach einer schweren Datenpanne misstraut.

Viele Cyberversicherungen beinhalten daher Leistungen für Krisenkommunikation und Reputationsmanagement.

Warum könnten Cyberversicherungen nicht sinnvoll sein?

Hohe Kosten

Aufgrund steigender Prämien und Fragen der Abdeckung im Schadensfall stellen sich Unternehmen häufig die Frage des Sinns und der Notwendigkeit von Cyberversicherungen. Vor allem die hohen Beiträge sind für manche Unternehmen eine Hürde, aber auch reduzierte Deckungssummen und strenge Bedingungen werden als negativ empfunden. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft lag der Cyberversicherungsmarkt 2021 jedoch erstmals in der Verlustzone. Für jeden Euro Beitrag wurden 1,24 Euro für Schäden und Verwaltung aufgewendet.

Unvollständige Deckung

Ein Argument gegen Cyberversicherungen ist die begrenzte Abdeckung in bestimmten Schadensfällen. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen scheitern häufig an den finanziellen Voraussetzungen oder am geforderten IT-Sicherheitsniveau.

Große Versicherungsanbieter berichten, dass 60 bis 70 % der Anträge wegen unzureichender Sicherheitsstandards abgelehnt würden. Schäden durch Vorsatz, Krieg oder staatlich gesteuerte Cyberangriffe sind meist ausgeschlossen. Auch Ransomware-Zahlungen werden teilweise nur begrenzt oder nicht erstattet.

Zudem sind langfristige Folgekosten oder Umsatzeinbußen nicht immer vollständig versichert. Eine sorgfältige Prüfung der Vertragsbedingungen ist unerlässlich: Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass der tatsächliche Schutzumfang häufig hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Verzögerte Schadensregulierung

Nach einem Schadenfall kann es zu Verzögerungen oder Streitigkeiten kommen. Versicherer prüfen zunächst, ob alle vertraglichen Pflichten eingehalten wurden, etwa hinsichtlich Sicherheitsmaßnahmen, Angaben im Antrag oder Fristen für die Schadenmeldung.

Fehlerhafte Angaben oder unzureichende Sicherheitsvorkehrungen können zur Leistungsablehnung führen. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass selbst fehlende Updates einzelner Server als erhebliche Pflichtverletzung gewertet werden können. Für Unternehmen bedeutet dies im Zweifel langwierige Auseinandersetzungen statt schneller Hilfe.

Falsches Sicherheitsgefühl

Trotz vieler Vorteile warnen Experten vor einem falschen Sicherheitsgefühl. Cyberversicherungen ersetzen keine technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen. Schäden infolge grober Fahrlässigkeit sind häufig vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Versicherungen decken keine systematischen Sicherheitsdefizite ab.

Faktoren, die bei der Entscheidung für oder gegen eine Cyberversicherung berücksichtigt werden sollten

Die Sinnhaftigkeit einer Cyberversicherung hängt stark vom individuellen Risikoprofil ab. Branchen mit hoher Datenverarbeitung oder regulatorischen Anforderungen zeigen ein höheres Schadenspotenzial und profitieren eher vom Versicherungsschutz.

Auch die bestehende IT-Sicherheitslage spielt eine zentrale Rolle. Unternehmen mit gutem Sicherheitsniveau erhalten bessere Konditionen oder überhaupt erst Zugang zum Versicherungsmarkt.

Regulatorische Anforderungen und vertragliche Verpflichtungen können ebenfalls ausschlaggebend sein. Zwar besteht keine generelle Versicherungspflicht, doch können Bußgelder, Vertragsstrafen oder Haftungsrisiken den Abschluss sinnvoll machen.

Unternehmensgröße und Branche

Als zentrale Faktoren bei der Bewertung gelten Größe und Branche des zu versichernden Unternehmens. Große Unternehmen und solche mit hoher digitaler Durchdringung bieten große Angriffsflächen und zeigen ein hohes Schadenspotenzial.

Größere Unternehmen und solche in risikoreichen Sektoren wie Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungen sowie öffentlich-sensitiven Bereichen verarbeiten größere Datenmengen und gelten als höher gefährdet für Cyberangriffe. Diese Branche- und Größenabhängigkeit kann zu höheren Prämien oder strengeren Versicherungsbedingungen führen.

Unternehmen mit vielen Mitarbeitern und komplexen IT-Systemen haben tendenziell ein höheres Schadenspotenzial, was sich nicht nur auf Prämien, sondern auch auf die Deckungshöhen und erforderlichen Mindestanforderungen auswirkt.

Bestehende Sicherheitsmaßnahmen

Versicherungen bewerten die Qualität und Aktualität der bestehenden Cybersicherheitsmaßnahmen als entscheidenden Faktor. Dazu zählen technische Kontrollen nach Best Practice und eine dokumentierte Sicherheitsstrategie.

Sicherheitsmaßnahmen wirken nicht nur für die Versicherung positiv, sondern reduzieren das tatsächliche Risiko von Vorfällen und haben daher auch operative Vorteile. Unternehmen und Einrichtungen stark regulierter Branchen bringen dahingehend Vorteile eines besseren Istzustandes der Cybersicherheit mit sich.

Regulatorische Anforderungen

Viele Unternehmen sind bereits durch gesetzliche Regelwerke wie die DSGVO verpflichtet, personenbezogene Daten angemessen zu schützen. Diese regulatorischen Anforderungen erhöhen den Druck auf technische Sicherheit, auf organisatorische Prozesse und beeinflussen damit die Entscheidung für eine Cyberversicherung.

Die Kehrseite regulatorischer Anforderung sind Strafen, die im Fall eines erfolgreichen Angriffs die Schadenssumme weiter erhöhen. Ein Beispiel ist der Digital Operational Resilience Act (DORA) im Finanzsektor, der eine robuste Cyber- und IKT-Sicherheitsstrategie fordert. Versicherer berücksichtigen solche Vorschriften bei der Risikobewertung, da sie die Eintrittswahrscheinlichkeit und die mögliche Schadenshöhe beeinflussen.

Neben nationalen Datenschutzgesetzen können weitere Anforderungen aus Branchenstandards oder internationalen Regeln die Einschätzung eines Versicherers prägen. Versicherte müssen oft nachweisen, dass sie relevante Regulierungs- und Meldepflichten erfüllen, um im Schadenfall Deckung zu behalten.

Best Practices zur Risikominimierung

Unabhängig von einer Versicherung sind präventive Maßnahmen für die Sicherheit entscheidend. Zu den effektiven Maßnahmen zählen aktueller IT-Grundschutz, regelmäßige Back-ups, strikte Zugriffskontrollen, Multi-Faktor-Authentifizierung, Mitarbeiterschulungen sowie Notfall- und Incident-Response-Pläne. Diese Maßnahmen reduzieren das Risiko und sind Voraussetzung für Versicherbarkeit und bessere Konditionen.

Cyberversicherungen als Ergänzung von Präventionsmaßnahmen

Cyberversicherungen können ein wirksames Instrument zur finanziellen Absicherung gegen Cyberattacken sein. Unternehmen mit hohem Schadenspotenzial oder regulatorischem Druck rücken sie darum in ein wichtiges Zentrum des Risikomanagements.

Die Entscheidung für oder gegen eine Cyberversicherung sollte auf einer individuellen Risikoanalyse basieren. In eine ganzheitliche Sicherheitsstrategie eingebettet, können passende Cyberversicherungen als Ergänzung von Präventionsmaßnahmen zur Resilienz eines Unternehmens beitragen.